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Tibet.
Weites Land auf dem Dach der Welt
Schillinger Verlag
Freiburg 1993
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Tibet - Weites Land auf dem
Dach der Welt
Der Autor,
Andreas Gruschke, kennt Tibet als erfahrener Reiseleiter von zahlreichen
Reisen her. Seine Bilder sind von einer eindrucksvollen Schönheit,
die fundierten Texte erzählen vom Land, seinen Menschen und Landschaften,
von Geschichte und Religion sowie den komplexen politischen Hintergründen.
Wertvolle Anregungen erleichtern den Zugang zu diesem hochinteressanten,
aber noch immer schwer zugänglichen Land. 208 Seiten, 122 Farbbilder
DM 68,-
Schillinger Verlag GmbH
· D-79098 Freiburg i. Br. · Wallstraße 14 ·
Fax D- (0761) 39055, E-mail: schillingerverlag@t-online.de
Siehe  
Schillinger Verlag
INHALT
-
Vorwort: Tibet - das größte
Hochland der Welt
-
Der Naturraum Tibets
Weites Land und keineswegs nur Berge,
Berge, Berge...
Ein rauhes und doch herb-schönes
Klima
Vegetation und Tierwelt
-
Ein hartes Leben mit Frohsinn
-
Die Bevölkerung auf
dem Dach der Welt
Die Nomaden auf dem Changthang-Plateau
Händler und Bauern
Die Salzkarawanen der Drokpa
Wie kommen Türken und Mongolen
nach Tibet?
-
Jenseits der „Sitze der Götter"
-
Im Reich des „Gütig Herabblickenden"
Geschichte und Religion des tibetischen
Gottesstaates
Schöpfungsmythen
Das Reich Zhangzhung
Die Dynastie, die vom Himmel stieg
Buddhistische Renaissance in Guge
Gründung der ersten Reformorden
und Sakyas Aufstieg zur Macht
Entwicklung des Gelbmützenstaates
Die tibetisch-chinesischen Beziehungen
bis zum Ende der Kaiserzeit
Die Machtverhältnisse
auf dem gesamten Hochland am Vorabend
des chinesischen Einmarsches in Lhasa
-
Om - Die Gedankenwelt des Buddhismus
- von den Anfängen bis zur tibetischen Ausprägung
-
Der Hintereingang zum Paradies - Magie
und Geisterglaube der Tibeter
Die alten Glaubensvorstellungen des
Bön
Die dogmatisierte Bön-Religion
Der einfache buddhistische Gläubige
auf der Suche nach dem Heil
Om ma ni pe me hum
-
Fließende Gebete und segensreiche
Bilder
Symbolik und Sinngehalt der tibetischen
Architektur, Skulptur, Malerei und Kultgegenstände
-
Eiszeit - Tibets Schicksal in der chinesischen
Volksrepublik
Der Einmarsch der Roten Armee und
seine Folgen
Der tibetische Aufstand von 1959
und Beijings Reaktion
Kulturrevolution: Rote Garden auf
dem Dach der Welt
Zerstörung oder Auslöschung?
- Versuch einer Bilanz
Die wirtschaftspolitischen „Sünden"
seit dem chinesischen Einmarsch
Wirtschaftlicher Reformkurs
Anzeichen eines gewissen Wohlstandes
Ökologische Probleme
-
Tibetischer Gottesstaat oder Autonome
Region der VR China?
Wo herrschte das „alte Tibet"?
Zwei Standpunkte ohne Ausweg?
Die politische Sicht der Chinesen
Die Anschauung der Tibeter
Das „Lhasa-Problem"
Hoffnungsschimmer oder Ausweglosigkeit
-
Begegnungen und Impressionen
Flanieren zum tibetischen Neujahr
in Jyekundo
Maskentänze in Kumbum
Streck die Zunge raus
Tsampa und „Yak"-Buttertee
Die Stellung der Frau in der tibetischen
Gesellschaft
Tibetische Ärzte und Heilkundige
Tanz und Musik, Arbeit und Muße
Sing ein Lied und trink
Fahren, reiten, laufen ...
Mit beiden Beinen auf dem Boden
-
Pflege und Erhalten tibetischer Kultur
Der Dalai Lama und die Exiltibeter
Das Dilemma des Exils
Westliche Hilfestellungen
Bemühungen in der VR China:
Ansätze zu kultureller Förderung
Tashi delek!
-
Literaturverzeichnis
-
Anmerkungen
„Das Namenproblem" - Bemerkungen
zu Umschrift und Aussprache tibetischer Namen
-
Zitatnachweise
-
Namensübersicht
Rezensionen
Pressestimmen:
R 1
in: Badisches Tagblatt, Nr. 111, Samstag 15. Mai 1993
Bildband über den „Gottesstaat"
Tibet: Ausführliche Beschreibung von Land und Leuten / Kritik an Rolle
der Exilanten
Intensive und genaue
Ausblicke auf das "Dach der Welt" |
„Dach
der Welt", „Schneeland" oder „Gottesstaat" sind nur einige der zahlreichen
Umschreibungen für Tibet. Das 1,2 Millionen Quadratkilometer große
Hochland im Himalaja ist für viele Menschen in der westlichen Welt
immer noch ein Mysterium. Der Autor Andreas Gruschke gewährt mit seinem
Bildband „Tibet. Weites Land auf dem Dach der Welt" intensive Einblicke
in das seit 1951 von China annektierte Gebiet.
Die Bezeichnung
„Bildband" ist für das sorgfältig recherchierte und geschmackvoll
gestaltete Buch eineeine vornehme Untertrei- |
bung. Zwar belegen
122 Farbbilder, daß Gruschke auch abgelegene Gegenden des Territoriums
bereist hat, doch der wohltuend fundierte Textteil braucht sich vor dem
Fotomaterial nicht zu verstecken. Klima, Landschaft, Bevölkerung,
Geschichte, Religion und nicht zuletzt die aktuelle Situation des Landes
im Schatten der chinesischen Okkupanten werden ausführlich und kenntnisreich
beschrieben. Bemerkenswert dabei unter anderem der Abschitt „Das Dilemma
des Exils", in dem der Autor die Rolle der Exiltibeter gegenüber den
im Staate verbliebenen |
Landsleuten kritisch
beleuchtet.
Gruschke
verfällt nicht in den Fehler, den Freiheitsanspruch eines unterdrückten
Volkes unreflektiert nachzubeten, sondern verweist auf „kleine Freiheiten"
und „nachlassende Repression", die trotz des anhaltenden Würgegriffs
der Herrscher in Peking das
Leben für das Zwei-Millionen-Volk
der Tibeter heute angenehmer machen als noch vor wenigen Jahren.
Mit der Kamera verharrt der |
Autor vornehmlich auf
Landschaften und Fassaden. Den Blick in das Innere von Wohnungen oder Klöstern
gestattet er dem Betrachter nicht. Auch die Bewohner will der Verfasser
nicht so recht vorzeigen. Auf mageren acht Seiten im Buchinnern versteckt
er ihre Gesichter, zeigt Mönche bei diversen Tätigkeiten oder
Nomaden beim Volksfest.
Der hohe Informationsgehalt
des Buches entschädigt jedoch für diese Schwäche. Gruschke
ist der Versuchung vieler Bildbandautoren nicht erlegen und hat ein inhaltsschweres
und an Details reiches Werk abgeliefert, das weit |
über die in diesem
Genre oft üblichen Reisebeschreibungen hinausgeht. Allerdings hätte
man sich aufgrund der zahlreichen fremden Begriffe ein Stichwortregister
gewünscht. Dann wäre aus dem „Bildband" sogar ein Nachschlagewerk
geworden. Aber auch ohne diese Dreingabe gehört Gruschkes Buch in
das Regal eines jeden Tibet-Reisenden und Asien-Interessierten.
Andreas
Gruschke: Tibet. Weites Land auf dem Dach der Welt. Schillinger Verlag,
Freiburg. 208 Seiten, 122 Farbbilder. 68 Mark.
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Badisches Tagblatt,
Nr. 111, Samstag 15. Mai 1993
R 2
in: Bücher, Samstag 8. Mai 1993 |
Weites Land auf dem
Dach der Welt
Tibet - das größte
Hochland der Erde - bietet mit seiner Landschaft und seiner alten Kultur
ein faszinierendes Spektrum reichhaltiger Eindrücke. Der Autor kennt
Tibet von zahlreichen Reisen her, er stellt hier nicht nur die grandiose
Landschaft vor, sondern erzählt auch vom Leben der Bewohner, deren
Religion und Geschichte, gibt als erfahrener Reiseleiter Tips und Anregungen
und weiß alles packend darzustellen. Wer Zugang zu diesem noch so
unbekannten Land finden will, findet hier genaue Unterlagen und viel Wissenswertes. |
R 3
in: Badische Zeitung, Freiburg,
Freitag, 10. Dezember 1993
Tibet
TIBET von Andreas Gruschke,
Schillinger Verlag, Freiburg, 208 Seiten, 122 Farbbilder, 68 Mark. Ein
Tibetbuch, das wir mit großem Interesse gelesen haben, das uns dieses
Land in allen seinen Aspekten nahegebracht hat: von den geographischen
Gegebenheiten und der Natur über die historische Entwicklung, die
kulturellen Erscheinungsformen bis hin zu den politischen Problemen. Natürlich
befaßt sich der Autor auch ausführlich mit dem tibetischen Gotteststaat.
Er widerspricht dabei dem gängigen Klischee von der "Entrücktheit"
der tief religiösen Menschen auf dem Dach der Welt, vor allem indem
er interessante Einblicke in ihren Alltag vermittelt. Faszinierend auch
die Vielzahl der Farbfotos. |
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R 4
in: Rhein-Zeitung,
Koblenz, 21.Dez. 1993
Magische Welt zwischen Himmel und Erde
Tibet - unerreichbares
Dach der Welt? Dasgrößte Hochland der Erde hat sich zwar in
letzter Zeit dem Tourismus etwas geöffnet, eine Reise in diesen Teil
Chinas gilt jedoch immer noch als abenteuerlich und beschwerlich. Wenn
da nicht der Reiz des Unbekannten und Geheimnisvollen locken würde.
"Tashi delek" - "Glück und Segen" wünscht Andreas Gruschke, Bild-
und Textautor des Buches, auf der Reise durch Tibet. Bei zahlreichen Besuchen
als reiseleiter hat er das Hochland kennengelernt - und ist seither nicht
mehr davon losgekommen. Die Fotos, die vorwiegend Landschaften zeigen,
vermitteln einen bezaubernden Eindruck von einer fernen Welt. Aufnahmen
von Menschen im Alltag, von maskentänzen und anderen Festen geben
einen kleinen Einblick in die Lebensweise der Tibeter. In einem ausführlichen
Textteil versucht der Autor die vielen Klischees des Mystisch-Magischen,
die diesem unbekannten Land anhaften, ins rechte Licht zu rücken.
Er informiert über den Naturraum, die Bevölkerung, die Entdeckungsgeschichte,
die Religion und Kultur Tibets. Mit etwas Zeit und Mühe, die man braucht,
um sich durch den komprimierten Text durchzuarbeiten, kann der Leser für
ein paar Stunden in der "Welt zwischen Himmel und Erde" versinken. |
R 5
in: Nürnberger Nachrichten,
Samstag/Sonntag, 11./12. Dezember 1993 |
| Mit dem Mythos des
entrückten, völlig ursprünglichen Tibet will Andreas Gruschke
im Buch "Tibet - Weites Land auf dem Dach der Welt" gründlich aufräumen.
Die Texte behandeln Geschichte, Kultur, Situation und Selbstverständnis
des Landes und seiner Bewohner. Fast wissenschaftlich kompetent und tiefgehend,
erfordern die Betrachtungen allerdings asiatische Geduld beim Lesen. Höhepunkte
des Bands sind die ausgezeichneten Fotos |
R 6
in: Der Trotter,
Deutsche
Zentrale für Globetrotter e.V., 19. Jg., 71, Nov. 1993 |
Schon wieder ein Tibet-Buch!
Und doch: ein ganz anderes, neues.
Neben einer ausführlichen
Darstellung dessen, was Tibet ausmacht, bleibt Gruschke nicht stehen bei
der Ideologie gewisser Kreise und dem solidaritätsbewegten Jammern
und Wehklagen der Westler angesichts der tibetischen Tragödie. Dazu
ein Zitat, daß immer noch Gültigkeit hat: "...daß man
einer Utopie hinterherläuft, zum Beispiel Reinhold Messner in dem
Film 'Tibet - Wo die Berge den Himmel berühren'. Da wird zwar nicht
die Unsterblichkeit gesucht, aber Tibet ist der Ort, wo man das Urtümliche,
eine von der Zivilisation unberührte Natur und eine uralte Kultur
zu erleben hofft. Und wenn man dies nicht findet, wird das schlicht den
Chinesen zum Vorwurf gemacht. Da wird die Ideedes Himalaja-Paradieses aufrechterhalten,
indem erklärt wird, daß es (gegenwärtig) zerstört
ist. Der Geist von Shangri La lebt." (Jörg Lösel in: Müller
/ Raunig, "Der Weg zum Dach der Welt", München 1983, S. 397f. - gefunden
bei Gruschke). |
Mit geschärften
Blick und Seziermesser ausgestattet, des Chinesischen und Tibetischen mächtig,
macht er sichtbar, was hinter dem Vordergründigen verborgen ist. Beispielsweise
die (eigentliche) Binsenwahrheit, daß "das" chinesische, "der" Chinese
ein wertfreier kultureller Terminus ist, der soweit führt, daß
Tibeter von "Wir Chinesen" sprechen. Oder der Hinweis (da der Blick ständig
auf Lhasa ruht), daß Lhasa alein nicht Tibet ist. Im Osten und Norden
Tibets hat sich in den letzten 15 Jahren eine buddhistische Renaissance
entwickelt mit 10.000en von Mönchen und Gebieten und Orten in denen
die Verwaltung in den Händen von Tibetern liegt usw. Gruschkes differenzierte
Darstellung eröffnet neue Sichtweisen auf andere Realitäten als
die bisher wahrgenommen und das betrifft auch seine vorzüglichen Farbfotos,
die fast ausnahmslos Aufnahmen aus ganz Tibet zeigen und nicht die stets
wiederkehrenden touristischen Motive.
-eke-
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Vorwort: "Tibet - das größte Hochland der Welt"
Einfache Menschen
mit einer ungeheuren Ausstrahlung, kargschöne Landschaften und wundervoll
in sie eingepaßte Klöster - sie sprechen für sich: Eigentlich
hätten sie es, meine ich, gar nicht nötig, in ständiger
Schwarzweiß- Malerei von ihren Nachbarregionen, insbesondere dem
chinesischen Kulturraum, abgegrenzt und aus allen überdeutlich hervorgehoben
zu werden. Das „Dach der Welt" ist schon über so vieles erhaben, daß
wir dies im Westen nicht einmal erahnen. Außerdem gibt es auch dort
ein Miteinander, das die Gegensätze zuweilen überbrückt.
Die Faszination, die von den tibetischen Nomaden und Bauern ausgeht, ist
unbestritten, und ihre Aura würde durch die Bilder allein meist viel
besser wirken als durch die - im Westen wie im Osten - leider nur allzu
oft politisch motivierten, einseitig interpretierenden Erläuterungen
derselben. Die geheimnisvolle Welt Tibets hat sich den Vorstellungen der
Menschen immer wieder so sehr entzogen, war und ist ihnen derart entrückt,
daß es unausbleiblich zu sein scheint, die „Entrücktheit" der
dort lebenden tiefreligiösen Menschen nicht nur als gegeben, sondern
geradezu als ihr grundlegendes Merkmal hinzunehmen. Daß aber die
Tibeter ebenso Menschen sind mit großen und kleinen, betrüblichen
wie auch liebenswürdigen Schwächen, daß sie gleichfalls
am diesseitigen Leben intensiv teilhaben und ihren Sinn nicht nur auf die
Erlösung im Jenseits richten - ausgesprochen wurde dies gelegentlich,
aber es wird bei uns kaum - oder nicht gerne? - wahrgenommen. Klischees
über ferne Länder sind nichts ungewöhnliches, ja wahrscheinlich
gar nicht vermeidbar - doch sollten die Menschen Anfechtungen gegenüber
immer offen und streitbar bleiben. Verständlicherweise haben solche
Klischees um so stärkeren Bestand, je weiter weg ein Land ist und
je seltener oder schwieriger es von uns erreicht werden kann. Was aber
war für uns Europäer die längste Zeit nicht nur geographisch,
sondern auch vom Weltverständnis her weiter weg und so unerreichbar
wie das Dach der Welt? Folglich prägt man sich sein Bild durch Informationen
aus Büchern, Zeitungen und anderen Medien. Dabei scheint uns all das
um so näher an der Wahrheit zu liegen, was wir am häufigsten
zu lesen bekommen - nicht bedenkend, daß viele Schreiber immer wieder
auf die gleichen Quellen zurückgreifen und häufig gar keine oder
nur wenige eigenen Erfahrungen einbringen können. In einer derartigen
Betrachtungsweise stehen wir den Tibetern gar nicht mehr fern, hatte doch
schon mancher Tibetforscher beklagt - oder vielleicht sogar augenzwinkernd
anerkannt -, daß die Tibeter beispielsweise ihre Geschichte weniger
nach authentischen Gesichtspunkten erzählen, als vielmehr danach,
wie sie ihnen sinnvoll erscheint, sie für wahrscheinlich, nützlich
oder richtig halten und sie darum schließlich selbst an ihre Richtigkeit
glauben.
Doch uns,
die wir uns eines rationalen, logisch-naturwissenschaftlichen Weltbildes
rühmen, stünde es an zu versuchen, neben der Faszination am Mystisch-magischen
- das in Tibet ohne Zweifel stärker als anderswo vorhanden, aber nicht
allein bestimmend ist - auch die praktische und alltägliche, weniger
mystische Hintergrundinformation über Land und Leute zu vermitteln.
Dabei würde ich erwarten, daß deutlicher differenziert wird,
daß reflektiert wird, wo Tibet denn beginnt und wo es aufhört,
welche Schwierigkeiten es bei einer geographischen, ethnischen und politischen
Abgrenzung gibt, wo und wie die Tibeter lebten und noch heute leben, ohne
dabei immer gleich die politische Sicht als einzigen Maßstab für
die Qualität vorhandener Informationen zu nehmen. Die krampfhaften
Versuche der kommunistischen Führung in der Volksrepublik China, stets
und immerdar nachzuweisen, daß das tibetische Hochland schon von
jeher ein Teil ihres >Reichs der Mitte< gewesen sei, hat im Westen im
Gegenzug eine beispiellose Zwanghaftigkeit ausgelöst, das Gegenteil
zu belegen. Dabei scheint von keiner Seite jemals ernsthaft darüber
nachgedacht worden zu sein, inwiefern die gelieferten Argumente ein Beweis
für die Richtigkeit ihrer politischen Überzeugungen, die Kategorien,
in denen gedacht und argumentiert wird, überhaupt anwendbar sein können
- da sie in dieser Form nun einmal in Europa gewachsen sind und nicht in
Asien, wo andere weltanschauliche Grundlagen zu einer anderen Sicht der
Dinge geführt haben... Wie dem auch sei: Mein Anliegen in diesem Buch
ist nicht, für die eine oder die andere Seite Stellung zu beziehen,
sondern vielmehr diese verschiedenen Anschauungen im Rahmen der tibetischen
Geschichte, Kultur und Natur - so weit es auf dem engen Raum eines einzigen
Buches möglich sein kann - und im Licht ihrer unterschiedlich gesehenen
Beziehungen etwas differenzierter darzustellen. Dabei kann ich an zahlreichen
Fakten und Daten, die andernorts schon dargeboten und zudem ausführlicher
ausgebreitet wurden, aus Gründen der Durchschaubarkeit nicht wortlos
vorübergehen. Doch möchte ich hin und wieder versuchen, dort
eine etwas andere Deutung zu präsentieren, wo neue Erkenntnisse oder
auch solche Sachverhalte, die bei uns im Westen wenig bekannt oder zumindest
wenig verbreitet worden sind, eine weitere Interpretation anbieten. Um
ein umfassenderes Bild zu entwickeln, liegt es mir am Herzen, das Hochland
von Tibet in Wort und Bild in all seinen Teilen vorzustellen - wohl wissend,
daß es selbst in einem reinen Photoband unmöglich wäre,
eine als repräsentativ angestrebte Bildauswahl in einer Weise zu treffen,
die alle Regionen des zwei Millionen Quadratkilometer großen Hochlandes
vollständig darstellen würde. Zwar hatte ich bei meinen mehrmaligen
Reisen nach Tibet nur selten Gelegenheit, die von tibetischen Stämmen
besiedelten Räume auf der Südseite des Himalayas kennenzulernen,
doch haben mich bislang etwa dreißigtausend Kilometer immerhin nicht
nur in die inzwischen hinlänglich bekannten und oft vorgestellten
Gebiete Zentral- und Westtibets, sondern häufig auch in Teile des
Hochlandes geführt, von denen wir hier im Westen kaum etwas zu hören
oder sehen bekommen: wie die Weiten des Changthang, große Teile Amdos
und das östliche und südöstliche Kham. Aus diesem Grund
habe ich gerade bei der Bildauswahl darauf Wert gelegt, Zentraltibet im
Bildteil im Verhältnis nicht mehr Raum zu geben, als dessen Fläche
am gesamten Hochland Anteil hat - zumal die berühmten und zahlreichen
heiligen Stätten in anderen Publikationen ohnehin immer wiederkehren.
Ich hoffe auf die Bereitschaft der Leser, sich in einige neue und dazu
verschiedenartige Regionen Tibets entführen zu lassen, und will hiermit
eine Anregung dazu geben. Gerade so wie ich mir dereinst Anregungen geholt
habe, und - wen wundert's? - seither nicht mehr davon losgekommen bin...
Tashi delek! (tibet. "Glück und Segen!")

Besucher seit dem 15. Juli 2001
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